Fabio De Masi im Freitag-Porträt

Eine Presseschau mit Fabio De Masi

26.03.2019
Mathias Petersen (SPD), Sahra Wagenknecht und Fabio De Masi (beide DIE LINKE & Aufstehen) am 14.03.2019 in Hamburg

der Freitag: Er ist kein Netzwerker

"Fabio De Masi hätte das Zeug dazu, in die Fußstapfen Sahra Wagenknechts zu treten. Noch hält er sich zurück.

Heutzutage hört ja eigentlich niemand mehr zu, wenn ein weißer Mann mit Bart von früher erzählt. Besonders in der Linkspartei. In diesem Fall aber war es anders. Auf dem Leipziger Parteitag im Juni 2018 baute sich Fabio De Masi inmitten der Delegiertenmenge vor dem Mikrofon auf. Bedächtig, fast einschläfernd erinnerte er daran, dass Katja Kipping „vor 13 Jahren“ begann, als Vertreterin der Linkspartei für das bedingungslose Grundeinkommen zu werben. Er selbst streite nicht dafür. Aber es sei „völlig legitim, dass sie das tut“. Wirkungspause. Der nächste Satz entfuhr De Masi mit einem Groll und in einer Lautstärke, dass selbst im Tiefschlaf befindliche „Genossinnen und Genossen“ aufgeschreckt sein dürften: „Aber niemand stellt sich hier hin und versucht, ein Tribunal über sie (Katja Kipping) zu errichten.“ Applaus brandete auf.

Auf der Bühne stand Sahra Wagenknecht. Die Tagungsleitung hatte sie gefragt, ob sie nach ihrer Rede für Nachfragen zur Verfügung stehe. Das ist ganz und gar ungewöhnlich, aber möglich. Sie stimmte zu, und nacheinander traten jene hervor, die Wagenknechts Absage an eine Politik der „offenen Grenzen für alle“ in Wallung versetzte. Vertraute der Parteichefin Kipping waren dabei, auch Mitglieder des rot-rot-grünen Senats in Berlin. Sie schrien und schimpften, als müssten sie ein ungezogenes Kind zur Räson bringen. De Masi war der Erste, der eine andere Haltung einnahm und für diese seltsame Veranstaltung den Begriff des Tribunals fand. Eine kalkulierte Übertreibung?

Seit er nach der jüngsten Bundestagswahl vom Europaparlament in den Bundestag gewechselt ist, fällt Fabio De Masi immer wieder durch steile Thesen und unkonventionelle Reden auf, die bisweilen wie Zitate aus einer linken Version der Bild-Zeitung klingen. Als finanzpolitischer Sprecher der Fraktion forderte er: „Cum-Fake-Bankster gehören in den Knast!“, er weissagte: „Dem Exportjunkie Deutschland droht der kalte Entzug“, und er kalauerte: „Jamaika gehört auf den Plattenteller, aber nicht auf die Regierungsbank.“ Die mögliche Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank kommentierte er so: „Zwei kranke Truthähne ergeben keinen Adler.“

Dieser Hang zum Markigen verwundert bei De Masis politischer Biografie nicht. 1980 als Sohn eines italienischen Gewerkschafters und einer deutschen Sprachlehrerin im hessischen Groß-Gerau geboren, wuchs er abwechselnd in den beiden Herkunftsländern seiner Eltern auf. In Hamburg studierte er Volkswirtschaftslehre, wurde dann wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag – bei Wagenknecht, die Gegnern eines linken Populismus ohnehin als Gottseibeiuns gilt. (...)

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