Berliner Zeitung: Der unsichtbare Riese

Aroundtown ist der größte Besitzer von Gewerbe-Immobilien in Deutschland. Eine Presseschau mit Fabio De Masi

25.06.2019
Presseschau

Berliner Zeitung: Der unsichtbare Riese von Kai Schlieter

Aroundtown ist der größte Besitzer von Gewerbe-Immobilien in Deutschland. Die Firma ist auch in Berlin sehr aktiv-und der neue Hauptsponsor des 1. FC Union. Wenn man den Strukturen des Konzerngeflechts folgt, landet man bei Anwaltskanzleien auf Zypern. Wer steckt hinter Aroundtown?

Während die Touristen draußen vor dem Deutschen Dom am Gendarmenmarkt in die Maisonne blinzeln, sitzen gegenüber im Hilton vier Männer in Anzügen in der klimatisierten Executive Lounge. Ein Experte für Krisenkommunikation ist dabei, ein Jurist, die beiden anderen gehören zum Führungspersonal eines Konzerns, der weitgehend unbemerkt zum größten Besitzer von Gewerbeimmobilien in Deutschland gewachsen ist: Aroundtown Property Holdings S.A.

Erst als in der vergangenen Woche herauskam, dass der Immobilienriese Hauptsponsor des Berliner Fußballvereins 1. FC Union wird, rückte Aroundtown in den Blick. Im Internet hagelte es Kritik, Fans reagierten wütend, weil eine Immobilienfirma mit Sitz in Luxemburg nicht zum bodenständigen Image des Vereins zu passen scheint. Wer steckt hinter Aroundtown? Die Geschichte ist kompliziert. Wochen vorher wirken die Herren im Hilton angespannt. In dem Gespräch geht es um Zypern, um Steuerersparnisse, Transparenz und um das sagenhafte Wachstum der Firma. 2015 umfasste das Portfolio von Aroundtown 2,4 Milliarden Euro. 2018 waren es mehr als 14 Milliarden. Eine exponentielle Kurve. Schwer vorstellbar, was das bedeutet. (...)

Das Treptower Park Center ist ein Beispiel dafür, wie schwer sich Geschäfte in dem Bereich nachverfolgen lassen. Ein Blick ins Grundbuch hilft nicht. Der letzte Kaufvertrag stammt aus dem Jahr 1995. Seither finden sich in den Akten nur noch Unterlagen, die Änderungen bei den Firmen beurkunden.

Die Immobilie war einmal Eigentum des Volkes. Jetzt heißt der Eigentümer Shopping Center am Treptower Park GmbH. Diese gehört zu 94 Prozent einer zypriotischen Firma namens Leosrin Limited und zu sechs Prozent der ebenfalls zypriotischen Kressa Limited. Die Anteile wurden also nicht komplett übertragen. Das dürfte kein Zufall sein: Konzerne wickeln ihre Immobilien-Geschäfte häufig als sogenannten Share Deal ab. Dabei wechseln nicht die Immobilien, sondern Anteile von Firmen den Besitzer.

Bis zu einer Schwelle von 95 Prozent fällt kein Cent Grunderwerbssteuer an. Ein legaler Trick, der das Land Berlin pro Jahr rund 100 Millionen Euro Steuern kostet und zudem die Rechte der Bezirke aushebelt. Denn auch das Vorkaufsrecht kann Berlin in Fall von Share Deals schwer nutzen — weil eben kein Grundstück verkauft wird.

Diese Entwicklungen sind für den Bundestags-Abgeordneten der Linken und Finanzexperten Fabio De Masi bedenklich: "Je mehr Geld im Markt ist, umso mehr treibt es die Preise nach oben. Und wenn ich eine Gesetzgebung habe, die es erlaubt, Immobilien schnell zu kaufen und wieder zu verkaufen und damit noch Steuern zu sparen, dann bin ich ein Magnet für dieses Geld." Zudem verliere die öffentliche Hand Gestaltungsmacht: "Ich kann keinen Einfluss nehmen auf das, was die Eigentümer mit der Immobilie machen. Weil ich ja gar nicht weiß, wer der Eigentümer ist." (...)"

 

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