Die Wahlerschütterung

Handelsblatt

07.09.2026

»Die AfD sieht sich in einer Zeitenwende, die CDU ist in Schockstarre. Die Grünen erleben einen bedrückenden Erfolg, das BSW erlebt Genugtuung. Szenen eines historischen Abends in Magdeburg.

BSW: Mögliche Königsmacher

Die Partei, deren Stimmen am Ende über den künftigen Ministerpräsidenten des Landes maßgeblich entscheiden könnten, feiert im Süden der Stadt. Der Veranstaltungssaal „Halber85" ist am späten Abend noch gut gefüllt. Die Anhänger vom BSW, dem Bündnis Sahra Wagenknecht, erleben einen Wahlkrimi: Die ARD sieht sie in den ersten Hochrechnungen im Landesparlament, das ZDF knapp draußen. In der Nacht kommt das vorläufige Endergebnis: Demzufolge erreicht das Bündnis 5,3 Prozent und hat damit den Einzug ins Parlament geschallt.

Die Stimmen des BSW könnten am Ende entscheidend sein, etwa wenn die Wahl eines Ministerpräsidenten einen dritten Wahlgang benötigt, in dem dann nur noch die einfache Mehrheit nötig ist.

Draußen, vor dem Eingang, steht Fabio De Masi, der Bundesvorsitzende des BSW mit einem Glas Rotwein. Er sagt, das Ergebnis sei eine Genugtuung, nachdem viele seine Partei schon abgeschrieben hätten, und nach den Zerwürfnissen samt Parteiaustritten in der Thüringer Landespartei. Er sieht sich auch in seiner These bestätigt, dass eine Brandmauer zur AfD nicht mehr praktikabel sei. „Wir reden mit allen Parteien", sagt der BSW-Chef.

Einen Ministerpräsidenten Siegmund wolle man aber nicht wählen, sagt De Masi.
Das BSW sei für einen unabhängigen Experten als Landeschef. Sollte es nicht so kommen, werde man sich - bei welchem Kandidaten auch immer - in einem dritten Wahlgang enthalten.«

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