Berliner Zeitung: Wirecard: Guttenberg wusste viele Details

Eine Presseschau mit Fabio De Masi

12.01.2021

Berliner Zeitung: Wirecard: Guttenberg wusste viele Details

 

"Der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wusste offenbar sehr genau Bescheid, wie der Deal zwischen seinem Beratungsunternehmen Spitzberg Partners und der Wirecard AG im Hinblick auf die Übernahme eines chinesischen Zahlungsdienstleisters aussehen sollte. (...)

Im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss am 17. Dezember 2020 hatte Guttenberg auf die Frage der SPD-Abgeordneten Cansel Kiziltepe, wer die Verträge von Spitzberg mit Wirecard unterschrieben habe, geantwortet: „Die Verträge werden verhandelt und unterschrieben vom Managing Partner Dr. Gartzke.“ (...)

Fabio De Masi von der Linkspartei sagte dieser Zeitung: „Wenn Herr Guttenberg Baron Münchhausen war und vor dem Untersuchungsausschuss die Unwahrheit gesagt hätte, wäre dies auch strafrechtlich relevant. Ich habe kein Problem, ihn erneut herbeizuzitieren. Die Frage ist dann, ob auch seine übrigen Einlassungen, wonach er die Kanzlerin privat getroffen habe, unwahr sind. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Wer mehrfach lügt, ist am Ende!“

Der Wirecard-Untersuchungsausschuss wird am Dienstag unter anderem mit der Anhörung des Zeugen Lars-Hendrik Röller fortgesetzt. De Masi sagte dieser Zeitung: „Die Aktenlage ist klar: Die Payment-Lizenzen für Wirecard in China waren seit Ende 2018 Thema für die Bundesregierung. Anders als vom Kanzleramt dargestellt, hat Wirecard nicht zufällig zum deutsch-chinesischen Finanzdialog gepasst, weil Herr Guttenberg gerade zu Besuch bei der Bundeskanzlerin war. Der deutsch-chinesische Finanzdialog im Januar 2019 wurde vielmehr von Beginn an mit einem Schwerpunkt auf Wirecard geführt und dafür ein eigener Absatz in der Erklärung verankert. Dem Kanzleramt sollte ein Erfolg anlässlich der China-Reise der Kanzlerin serviert werden. Wirecard war ,irgendwas' mit Internet und FinTech. Die Bundeskanzlerin hat beim mächtigsten Mann Chinas für die kriminelle Bude Wirecard lobbyiert. Und dies, obwohl ihr das Kanzleramt aufgrund der Vorwürfe gegen Wirecard zuvor von einem Treffen mit dem damaligen Wirecard CEO Markus Braun abgeraten hatte.“ (...)"

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