Berliner Zeitung: Wirecard: Markus Brauns gespenstischer Auftritt im Bundestag

Eine Presseschau mit Fabio De Masi

19.11.2020

Berliner Zeitung: Wirecard: Markus Brauns gespenstischer Auftritt im Bundestag

 

"Der Auftritt des früheren Wirecard-Managers Markus Braun vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss erwies sich am Donnerstag als gespenstische Veranstaltung. Braun, dessen Anwalt zunächst versucht hatte, seine Vernehmung vor den Abgeordneten des Bundestags mit dem Verweis auf die Corona-Gefahren vom BGH stoppen zu lassen, verlas zu Beginn eine Erklärung. Sie lief im Wesentlichen darauf hinaus, dass Braun ankündigte, dass er jegliche Aussage verweigern werde. Braun sagte, er habe volles Vertrauen in die Objektivität und Unabhängigkeit der Ermittlungsbehörden und insbesondere in deren Fähigkeit, den Verbleib der bis heute verschwundenen Wirecard-Milliarden festzustellen. Außerdem habe er zu keiner Zeit einen Hinweis erhalten, dass Politiker und Aufsichtsbehörden „nicht korrekt, unlauter oder pflichtwidrig“ gehandelt hätten. (...)

Ein Bruch kam schließlich, als der Linke Fabio De Masi den früheren Manager unvermittelt fragte: „Haben Sie eine Tochter?“ Und eine Frage zu der Kinderpornografie nachschob, mit der Wirecard unter anderem Geld verdient habe. Auch die Frage nach dem Titel seiner Doktorarbeit überraschte Braun, der eingangs auf die Frage seines Berufs mit „Wirtschaftsinformatiker“ geantwortet hatte. De Masi sagte, diese Frage sei für die Beurteilung der Befähigung von Braun zur Ausübung der Tätigkeit als Geschäftsführer notwendig, De Masi verschärfte die Gangart und fragte, ob es stimme, dass Braun „mehrere Identitäten, mehrere Reisepässe“ habe und „akut suizidgefährdet“ sei. Auf die persönlichen Fragen antwortete Braun nicht, sondern versuchte die Gegenoffensive, und sagte: „Ich finde, das ist heute nicht Verfahrensgegenstand.“ Er provozierte damit jedoch den kaum unterdrückten Zorn von De Masi, der Braun erklärte, dies entscheide immer noch der Ausschuss und nicht ein Häftling aus der JVA Augsburg. (...)"

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