Neues Deutschland: Verbrecherjagd ohne Personal

Deutschland hat ein Geldwäscheproblem – aber nicht bei Banken.

26.09.2020

Neues Deutschland: Verbrecherjagd ohne Personal

"Masken waren zu Beginn der Corona-Pandemie in Europa Mangelware. Daher griffen die Behörden in Nordrhein-Westfalen zu, als ihnen eine Schweizer Vertriebsfirma im März mehrere Millionen Stück anbot. Der Chef der Firma, damals im oberbayerischen Homeoffice, leistete bei dem angeblichen Hersteller eine siebenstellige Anzahlung auf ein irisches Konto. 52 Lkw warteten in einem Hafen in den Niederlanden aber vergeblich auf die Ware. Der Geschäftsmann stellte Anzeige. Ermittlungen einer Spezialeinheit aus Traunstein ergaben, dass Teile des Geldes bereits auf Konten von Mittelsmännern in den Niederlanden gelandet waren. Diese wurden wegen Geldwäsche verurteilt, die Hintermänner wurden jetzt in Nigeria festgenommen.

Der Fall zeigt, wie komplex kriminelle Aktivitäten sind und dass Banken das Vehikel sind, um Schwarzgeld in Umlauf zu bringen. Die Anfang der Woche veröffentlichten, älteren Dokumente einer US-Behörde belegen, dass Institute, darunter die Deutsche und die Commerzbank, ihren Pflichten beim Aufspüren unzureichend nachkamen und verdächtige Vorgänge teils mit jahrelanger Verspätung meldeten. Daher wird jetzt der Ruf nach strengerer Bankenregulierung laut. (...)

Allerdings landet nur ein Bruchteil der Fälle letztlich bei den Strafverfolgungsbehörden. Zehntausende unbearbeitete Meldungen stapelten sich bei der Zentralstelle, wie der Linke-Finanzexperte Fabio De Masi im Jahr 2018 enthüllte. Vor allem studentische Hilfskräfte bearbeiteten damals die per Fax eingereichten Meldungen, da die Software nicht funktionierte und es an qualifiziertem Personal fehlte. Das Personalproblem hat sich bis heute nur etwas abgeschwächt und es setzt sich fort auf der nächsten Ebene, den Schwerpunktstaatsanwaltschaften in den Ländern."

 

 

 

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