Süddeutsche Zeitung: Nächste Behördenpanne bei Wirecard

Eine Presseschau mit Fabio De Masi

12.08.2020

Süddeutsche Zeitung: Nächste Behördenpanne bei Wirecard, 12.08.2020, S. 15

 

"Am 22. Juni war nun wirklich nicht mehr zu übersehen, dass es bei der Wirecard AG jahrelang sehr kriminell zugegangen sein muss. Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München gab zu, dass die Bilanz nicht stimmen konnte. Fast zwei Milliarden Euro, die angeblich auf Treuhandkonten in Asien lagen, waren wohl nie vorhanden gewesen. Die Staatsanwaltschaft München I erwirkte Haftbefehle gegen den zurückgetretenen Konzernchef Markus Braun und seinen Ex -Vorstandskollegen Jan Marsalek, der seither auf der Flucht ist. Und die Financial Intelligence Unit (FIU) in Köln, die deutsche Zentrale für die Bekämpfung der Geldwäsche, sah plötzlich Handlungsbedarf.

Bei der FIU waren seit 2017 insgesamt rund 1000 Verdachtsmeldungen vor allem von Banken in Zusammenhang mit Wirecard eingegangen. Bis zum Zusammenbruch des Dax-Konzerns im Juni hatte die Kölner Behörde nicht sehr mehr viel als eine Handvoll Hinweise auf Geldwäsche an das LKA Bayern und die Staatsanwaltschaft München I weitergegeben. Jetzt aber ging alles ganz schnell. Die FIU prüfte vom 22. Juni an die Verdachtsmeldungen noch einmal, und siehe da: Es fanden sich nunmehr auch 97 Hinweise auf Betrug und andere Delikte. Inzwischen hat die FIU in mehr als 50 Fällen die bayerischen Ermittlungsbehörden informiert. Nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung und NDR geschah das aber fast durchweg viel zu spät. (...)

Die FIU gehört zum Zoll, der dem Bundesfinanzministerium unterstellt ist. Minister Scholz wird dem Bundestag, der Aufklärung bei Wirecard verlangt, auch dazu noch viele Fragen beantworten müssen. Die Opposition bringt sich bereits in Stellung. „Es muss dringend aufgeklärt werden, ob die FIU Informationen zurückgehalten hat, die es den Strafermittlern in Bayern erlaubt hätten, den Skandal früher zu erkennen", sagt der Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi von den Linken. Der Wirecard-Skandal offenbare schonungslos das Desaster in Köln. (...)"

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