Tagesschau: Deutsche horten Milliarden im Ausland

Auslandskonten bleiben beliebt: Mindestens 590 Milliarden Euro haben Deutsche nach Informationen von NDR und SZ dort deponiert. Darunter sind Orte, die wegen Steuerhinterziehung in die Schlagzeilen geraten sind.

24.06.2020

Tagesschau: Deutsche horten Milliarden im Ausland

"In Deutschland steuerpflichtige Privatpersonen haben 2018 über mehr als 590 Milliarden Euro auf Konten im Ausland verfügt. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei hervor. NDR und "Süddeutsche Zeitung" konnten sie vorab einsehen. Demnach meldeten andere Staaten mehr als sechs Millionen Bankkonten nach Deutschland, die in Deutschland ansässige Personen im Ausland führten.

Die Informationen stammen aus dem sogenannten automatischen Informationssystem, über das sich Staaten gegenseitig über Konten ausländischer Steuerpflichtiger informieren. Das Verfahren soll Steuerhinterziehung erschweren. Gemeldet werden beispielsweise nach Deutschland alle Konten deutscher Steuerpflichtiger. Ob die Behörden diese schon kannten, dass Geld also legal im Ausland lag, oder ob es dort hinterzogen wurde, kann das zuständige Finanzamt prüfen.

Noch immer scheinen klassische Steueroasen bei deutschen Sparern beliebt: Luxemburg meldet mehr als 1,3 Millionen Konten, die Schweiz rund 750.000. Rund 188.000 Konten meldet das Fürstentum Liechtenstein. Die Zahlen beziehen sich jeweils auf das Kalenderjahr 2018. Einige Länder übermittelten keine Daten oder stimmten der Veröffentlichung grundsätzlich nicht zu, darunter Großbritannien, die Kaiman-Inseln, Bermuda und die Isle of Man.

Die Auswertung zeigt, dass es sehr wohlhabende Privatpersonen, die in Deutschland steuerpflichtig sind, auf die Kanal-Inseln zu ziehen scheint. Jersey, eine kleine Insel im Ärmelkanal mit knapp 100.000 Einwohnern, meldete mehr als 12.000 Konten deutscher Steuerpflichtiger, auf denen im Durchschnitt mehr als 14,5 Millionen Euro angelegt worden sind. Auf Guernsey, einer weiteren Kanalinsel, haben deutsche Steuerpflichtige auf rund 4000 Konten im Schnitt 2,5 Millionen Euro angelegt. (...)

Die Antwort auf die Kleine Anfrage zeigt auch, dass der Austausch mit den Vereinigten Staaten von Amerika offenbar nun funktioniert - mit der Einschränkung, dass die USA keine Kontostände übermitteln müssen. Die europäischen Länder und die USA hatten lange um eine Regelung zum Informationsaustausch gerungen. Noch immer beanspruchen die USA für sich, weniger Informationen übermitteln zu müssen, als sie von den anderen Staaten in Bezug auf US-Staatsbürger einfordern.

Fabio de Masi, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, sagte, die Übermittlung der Kontodaten erhöhe "das Entdeckungsrisiko reicher Steuersünder und ist daher ein Fortschritt". Die USA seien jedoch "das schwarze Loch beim steuerlichen Informationsaustausch".

Innerhalb der EU, so De Masi, seien die Gelder im Verhältnis zur Wirtschaftskraft in einzelnen Ländern sehr hoch. Das zeige "wie einige EU-Steueroasen die Vermögenden anziehen wie das Licht die Motten". Der Informationsaustausch sei daher "eine Voraussetzung, aber kein Ersatz für die Schließung von Steuerschlupflöchern", so De Masi. (...)"

 

 

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