FAZ: Leerverkäufe – Einige Staaten verbieten Spekulation auf fallende Kurse

Spekulanten dürfen auf fallende Kurse setzen, jedenfalls in normalen Zeiten. Doch Frankreich und andere Länder verbieten Leerverkäufe nun. In Deutschland bleiben sie dagegen erlaubt – noch. Eine Presseschau mit Fabio De Masi.

20.03.2020

FAZ: Einige Staaten verbieten Spekulation auf fallende Kurse

"Angesichts der fortgesetzten Kursverluste an der französischen Börse hat die Wertpapieraufsicht AMF in Paris in dieser Woche alle Leerverkäufe verboten. Zuerst galt die Untersagung nur für 24 Stunden und für jene 92 Werte, die an einem Tag einen Kurssturz von mehr als 10 Prozent erlebten. Am Mittwoch weitete die Behörde das Verbot jedoch auf alle in Paris gehandelten Aktien aus und verlängerte es auf einen Monat. Die Börse sei derzeit „außergewöhnlichen Umständen ausgesetzt, die das Vertrauen in die Finanzmärkte bedrohen“, daher sei die Maßnahme gerechtfertigt, teilte der Präsident der Aufsichtsbehörde, Robert Ophèle, mit. Er fügte in einem Interview hinzu, dass „Spanien, Italien und Belgien den gleichen Ansatz verfolgen“. Das Ziel laute, „zusätzlichen Stress in einem ohnehin sehr angespannten Markt zu vermeiden“. Das Verbot von Leerverkäufen werde auch auf Ebene der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA diskutiert, berichtete Ophèle.

Zu einem Verbot konnten sich die EU-Behörden bisher nicht entschließen (...) Die italienische Börse hat das Verbot unterdessen sogar auf drei Monate ausgedehnt. In Belgien und Spanien beträgt es wie in Frankreich einen Monat. Der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bezeichnete die Entscheidung der französischen Börsenaufsicht als „gut und notwendig“. Er wünsche sich, dass das Leerverkaufsverbot auch europaweit erlassen werde (...)

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin stehe bezüglich der Leerverkäufe in enger Abstimmung mit den Börsenaufsichtsbehörden, den anderen nationalen Aufsichtsbehörden und der europäischen Aufsichtsbehörde ESMA, sagte eine Bafin-Sprecherin. Ihren Angaben zufolge beobachtet die Bafin gegenwärtig eng die Marktentwicklung einschließlich der Verkaufspositionen. Bislang hat sich die deutsche Finanzaufsicht hier im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zurückgehalten. Die Gegner von Leerverkaufsverboten begründen den Kursverfall an den Aktienmärkten angesichts der Rezession und Unsicherheit wegen des Produktionsstillstands mit fundamentalen, aber nicht mit spekulativen Ursachen.

Doch in Deutschland hat sich der Druck aus der Politik zuletzt erhöht: Die Stimmen für ein Leerverkaufsverbot reichen vom CSU-Europapolitiker Markus Ferber bis zum Finanzfachmann der Linken-Bundestagsfraktion, Fabio De Masi. „Die EU braucht jetzt eine koordinierte Finanzaufsicht und sollte gedeckte Leerverkäufe sowie den Hochfrequenzhandel an allen europäischen Finanzplätzen untersagen“, hatte der Linken-Bundestagsabgeordnete De Masi Anfang dieser Woche gefordert."

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