Spiegel: Wo die Big Four in Berlin ein- und ausgehen

Eine Presseschau mit Fabio De Masi zu KPMG, PWC, Deloitte und EY in deutschen Ministerien

17.06.2019
Logos der Big Four

Spiegel: Wo die Big Four in Berlin ein- und ausgehen

"Obwohl sie in große Steuerskandale verwickelt sind, werden die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften regelmäßig von der Politik engagiert. Neue Zahlen zeigen, wo die "Big Four" am häufigsten verpflichtet werden. 

Zwischen Wirtschaftsprüfung und Wirtschaftskriminalität liegt manchmal ein schmaler Grat - das hat sich in den vergangenen Tagen mal wieder gezeigt. In den USA wurde bekannt, dass der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eine Rekordstrafe von bis zu 50 Millionen Dollar droht. Der Grund: Ex-Mitarbeiter von KPMG sollen Klienten vor drohenden Behördenprüfungen gewarnt haben.

In Indien gerieten zugleich ein Partnerunternehmen von KPMG sowie der Konkurrent Deloitte unter Druck. Bei dem pleitegegangenen Finanz- und Baukonzern IL&FS hätten sie als Kontrolleure "miserabel versagt", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus Regierungsunterlagen. Es gehe um "nicht weniger als organisiertes Verbrechen, das aktiv von den gesetzlichen Prüfern unterstützt und begünstigt wurde".

Auch in Deutschland war das Ansehen der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deloitte, EY (Ernst & Young), KPMG und PricewaterhouseCoopers (PwC) schon mal besser. Denn bei den Skandalen um internationale Steuervermeidung spielten die "Big Four" häufig eine prominente Rolle. Das weiß man auch im von Olaf Scholz (SPD) geführten Finanzministerium.

"Steuergestaltungen werden immer ausgefeilter und machen sich häufig die höhere Mobilität von Kapital, Personen und immateriellen Werten zunutze", heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken, die dem SPIEGEL vorliegt. "Global operierende Beratungseinheiten können diese Unterschiede leichter aufdecken und daher schneller nutzbar machen." (...)

Staatssekretäre des BMF trafen sich seit Antritt der aktuellen Bundesregierung zehn Mal mit Firmen der Big Four. War dabei auch der Cum-Ex-Skandal ein Thema, in den die Wirtschaftsprüfer ebenfalls verstrickt sind? Auch dazu liegen der Regierung offiziell "keine Informationen vor". 

Die Opposition will sich damit nicht zufrieden geben. "Ob Cum-Ex oder Luxemburg Leaks, immer waren die Big Four dabei", sagt Linken-Fraktionsvize Fabio de Masi. Die Wirtschaftsprüfer seien mächtig, mit der Regierung vernetzt und zugleich Berater aller großen Konzerne. "Dies schafft Interessenskonflikte.""

 

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