Finanzhaie ganz unideologisch

Der Personalwechsel an der Spitze der Deutschen Bank verdeutlicht die Krise des Geldhauses. Eine Presseschau mit Fabio De Masi.

10.04.2018

10. April 2018, junge Welt, Simon Zeise: Finanzhaie ganz unideologisch

"Bei der Deutschen Bank wird die Reißleine gezogen. Am Sonntag abend setzte der Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung den Vorstandsvorsitzenden John Cryan ab. Dessen Nachfolge tritt der bislang im Vorstand für das Privat- und Firmenkundengeschäft zuständige Christian Sewing an. »Mit Blick auf die Erträge müssen wir unsere Jägermentalität zurückgewinnen, uns in allen Geschäftsbereichen steigern und die Messlatte wieder höher legen«, gab Sewing in einer am Montag veröffentlichten Nachricht an die Mitarbeiter bekannt. Mit dem Investmentgeschäft verdient das Finanzinstitut zuwenig Geld. Drei Jahre in Folge hat die Bank rote Zahlen geschrieben. »Zuletzt konnten wir in wichtigen Bereichen wieder Marktanteile hinzugewinnen. Wir wissen aber auch, dass wir uns hier hinsichtlich unserer Ertrags-, Kosten- und Kapitalstruktur weiter verändern müssen«, schrieb Sewing. (...) 

»Glauben Sie mir, die Entscheidung ist mit den Großinvestoren abgesprochen«, sagte Steinhardt. »Investoren sind in diesen Fragen unideologisch.«

Früher war die Deutsche Bank bei Konsortien, die Firmenfusionen regelten, immer mit dabei. »Das hat sich inzwischen eben auch geändert«, sagte Steinhardt. Das Geldhaus habe alle Stärken auf dem Inlandsmarkt verloren und habe diese nicht durch Geschäfte im Ausland kompensieren können.

Der Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi (Die Linke) gab am Montag zu bedenken: »Das Problem der Deutschen Bank ist nicht allein die Führung, sondern das Geschäftsmodell.« Das Geldhaus sei laut Internationalem Währungsfonds immer noch »die gefährlichste Bank der Welt«; zu groß und zu vernetzt zum Scheitern und daher eine Gefahr für die Finanzstabilität und die Steuerzahler, so De Masi. »Die Deutsche Bank muss aufgespalten und das Investmentbanking vom seriösen Kredit- und Einlagengeschäft getrennt und abgewickelt werden«, schlussfolgerte er. »Wenn der neue Chef Christian Sewing ein Zurück zur Jägermentalität fordere, lasse das nichts Gutes erwarten. »Die kriminelle Energie im Investmentbanking zeigt auch der Prozessauftakt gegen ehemalige Deutsche-Bank-Mitarbeiter in London wegen der Euribor-Manipulationen.« Um »solche Machenschaften« wirksam zu bekämpfen, müsse in Deutschland ein Unternehmensstrafrecht geschaffen werden, so De Masi."

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