Fabio De Masi: Von Brüssel nach Berlin?

Der NDR porträtiert Fabio und seinen Wahlkampf in Hamburg

13.09.2017

Fabio De Masi im NDR-Porträt (Audio)

Fabio De Masi ist das neue Gesicht der Hamburger Linken. Der Europa-Abgeordnete will von Brüssel nach Berlin. Der 37-Jährige ist Spitzenkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl.

Sportvergleiche als Marotte

Wahlkampfauftakt der Hamburger Linken: Hinter dem Popcornstand am Hauptbahnhof steht Olga Fritsche. Und sie müsste eigentlich wissen, was für ein Typ dieser Fabio De Masi ist. Denn schließlich ist er ihr Chef. "Also er ist sehr neugierig, immer schnell, er macht seine Arbeit wahnsinnig gern und erwartet es von seinen Mitarbeitern auch so." Seit rund einem Jahr arbeitet Olga Fritsche für Fabio De Masi und sie kennt natürlich auch seine Marotten - typische Chef-Marotten. "Also, was ich so ein bisschen als Marotte empfinde ist, dass er ein kleiner Kontroll-Freak ist. Dass er immer gucken will, ob wirklich alles gemacht wurde, was er gerne wollte. Was ich manchmal nicht so lustig finde, sind seine Sportvergleiche, die er gerne bringt. Aber das ist Geschmackssache." Und tatsächlich - der Hamburger Spitzenkandidat der Linken und Hobby-Fußballer hat ständig einen Sportvergleich parat: "Mir macht Wahlkampf noch mehr Spaß im Voll-Kontakt, also wenn ich mit den Leuten reden kann. Auf der Bühne ist es auch schön, wenn man da ein bisschen Menschenmassen sieht. Dann ist das wie beim Fußball. Also, wenn ich meinen Sohn anfeuere, dann läuft er auch ein bisschen schneller."

Lieber direkter Kontakt als große Reden

Mit den Leuten reden, statt große Reden zu schwingen: das ist die Stärke des 37-jährigen Europa-Abgeordneten, der zum Studium nach Hamburg kam und der im September in den Bundestag will. Und das merkt man zum Beispiel am S-Bahnhof Neuwiedenthal. De Masi: "Moin, darf ich Ihnen eine Information zur Wahl mitgeben? Ich will Sie nicht lange aufhalten." Ein Mann antwortet: "Gerne, Sie dürfen das. Ich denke, gerade wir hier in diesem Viertel, wir müssen da wirklich drauf achten, dass eine Politik gemacht wird, die uns wirklich entgegenkommt." Auch für diejenigen mit einem kleinen Geldbautel müsse Politik gemacht werden.

"Ich bin ein zurückhaltender Mensch"

Die Kernbotschaft der Linken, die soziale Gerechtigkeit, sie bringt der in Hessen geborene Deutsch-Italiener also rüber - und er macht das mit hanseatischer Zurückhaltung. "Ich bin der, der an der Kasse im Supermarkt immer zwei Meter Platz lässt und die Leute fragen: 'Stehen Sie eigentlich an?' Ich bin ein zurückhaltender Mensch, das stimmt." Dahinter steckt aber ein Politiker, der sich tief in Akten einlesen kann - im Europa-Parlament ist er stellvertretender Chef eines Untersuchungsausschusses, der Geldwäsche und Steuerhinterziehung aufklären soll. Er ist jemand, der sich mit den Reichen und Mächtigen anlegen will. "Wir haben 40.000 Millionäre in Hamburg. Und wir wollen denen helfen - Geld bereitet ja auch Sorgen - dass das vernünftigen Zwecken zugeführt wird, wie den Zukunftschancen unserer Kinder."

Ein bisschen bieder

Manchmal wirkt der Diplom-Volkswirt ein bisschen brav und bieder - doch dieses Schwiegersohn-Image ist im Wahlkampf sicher nicht das Schlechteste. Eine ältere Frau sagt: "Er macht einen netten Eindruck, also als Ansprechpartner finde ich ihn sehr sympatisch." Und genau das ist immer das Interessante am Straßenwahlkampf - dort zählt nicht nur das politische Programm, sondern eben auch die Sympathie.

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