MieterEcho: Benzin für den Immobilienmarkt

Ein Gastbeitrag von Fabio De Masi

05.04.2021

MieterEcho: Benzin für den Immobilienmarkt, März 2021, S. 4

 

 

Seit Jahren drängt die EU-Kommission auf eine Vertiefung der Kapitalmarktunion. Finanzinvestoren soll erleichtert werden, über Ländergrenzen hinweg zu investieren. Das wird natürlich auch den Immobilienmarkt weiter befeuern, der ja schon heute durch Heuschrecken aufgemischt wird. Lobbyisten in Brüssel behaupten, die Banken seien nach der Finanzkrise zu streng reguliert worden und würden deshalb zu wenige Kredite für Investitionen vergeben. Aber die Kreditvergabe in der EU stockte vor allem in Ländern, in denen öffentliche Investitionen, Löhne und Renten gedrückt wurden. Wenn keiner Geld ausgibt, nehmen die Firmen nichts ein und investieren auch nicht. Dann können Banken auch nicht durch neue, rentable Investitionen aus schlechten Krediten herauswachsen. Das Vorbild der EU-Kommission sind die USA. Statt des Prinzips einer Hausbank, die Kredite gegen Sicherheiten vergibt und die lokale Wirtschaft kennt, soll die EU mehr Wall Street wagen. Die EU-Kommission verspricht, dass eine Stärkung des Kapitalmarktes dem Mittelstand nützt. Durch eine Angleichung von Finanzprodukten sollen grenzüberschreitende Investitionen vereinfacht werden. Ein deutscher Fonds könnte beispielsweise einfacher Geld in Immobilienprojekte in Lissabon investieren, so die Hoffnung.

Zudem soll die Verbriefung von Schrottkrediten – also die Verpackung und der Verkauf von Krediten auch schlechter Qualität - erleichtert werden. Die Europäische Zentralbank soll Verbriefungen als Sicherheiten akzeptieren, da den Schrott am Markt offensichtlich niemand kaufen will. Das Ziel: Bankbilanzen von faulen Krediten befreien und die Kreditvergabe ankurbeln. Derartige Verbriefungen von Immobilienkrediten spielten bei der Finanzkrise 2007 eine große Rolle, Viele Menschen konnten ihre Hauskredite nicht mehr bedienen, ihre Häuser wurden gepfändet und bis heute leben viele Menschen in den USA in Wohnwagensiedlungen. Auch dies führte zum Aufstieg des Ex-Präsidenten Donald Trump. Die Kommission verspricht zwar einheitliche, transparente und sichere Verbriefungen. Die Lobbyisten haben aber durchgesetzt, dass der Anteil der Kreditforderungen, die bei Kreditverbriefungen in der eigenen Bilanz gehalten werden müssen, gesenkt wird. Egal wie hübsch man faule Kredite verpackt, die Risiken werden nur gestreut, aber nicht reduziert. Das ist, als würde man in einem Raum mit Grippekranken die Klimaanlage anstellen. Die anonyme Finanzierung über die Kapitalmärkte ist vor allem für große Unternehmen geeignet. Kleine Unternehmen brauchen eine stabile Beziehung zu ihrer Hausbank. Investoren hauen in einer Krise aber so schnell wieder ab, wie sie im Boom gekommen sind. An der Börse geht es eben häufig zu wie bei den Lemmingen, die alle in eine Richtung rennen. Deshalb passt eine Finanzierung über Banken besser zu vielen Unternehmen in Europa. Dass Lobbyorganisationen der Immobilienbranche für die Kapitalmarktunion trommeln, überrascht nicht. Über Ländergrenzen hinweg in Grundstücks- und Wohnungsmärkte zu investieren, ist ein tolles Geschäft. Immobilien sind Wertanlagen, die dem sogenannten Schweinezyklus unterliegen. Fließt viel Geld in den Sektor, steigen die Preise, da Häuser nicht so schnell produziert werden können wie Coca-Cola oder andere Massenprodukte. In Folge des Preisanstiegs wird womöglich zu viel gebaut und das in den falschen Bereichen. Als Warnung dient die spanische Küste, die heute noch voll von Bauruinen aus dem Immobilienboom ist. Das Überangebot führte zu einem massiven Preisverfall und Leerständen. Die Kapitalmärkte sind zwar ein wichtiges Element der Finanzierung von Unternehmen und die Kapitalmarktunion enthält auch sinnvolle Elemente, etwa beim Anlegerschutz, bei Börsenprospekten oder mehr Transparenz bei den nationalen Insolvenzregeln, um Anleger vor Pleiten zu schützen. Wichtiger aber wäre, öffentliche Investitionen und den öffentlichen Wohnungsbau anzukurbeln, sowie öffentliches Bauland nicht länger zu privatisieren!

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