Handelsblatt: Facebook startet Libra neu – und beantragt Schweizer Lizenz

Facebook reagiert mit einem neuen Konzept auf Kritik an seiner geplanten Kryptowährung. Experten fürchten den Aufstieg zur „mächtigen Schattenbank“. Eine Presseschau mit Fabio De Masi

16.04.2020

Handelsblatt: Facebook startet Libra neu – und beantragt Schweizer Lizenz

"Lange hat die „Libra Association“ geschwiegen. Doch nun erhöht die unter anderem vom US-Technologiekonzern Facebook gegründete Vereinigung zur Auflage einer globalen Privatwährung das Tempo. Geht es nach zwei neuen Ankündigungen vom Donnerstag, dann soll der Libra-Coin schon dieses Jahr starten – und Dollar, Euro und Co. Konkurrenz machen.

Am Donnerstagnachmittag deutscher Zeit veröffentlichte die „Libra Association“ die zweite Version ihres sogenannten Whitepapers, des Konzepts der geplanten virtuellen Währung. Darin verabschiedet sich die Vereinigung von einigen zentralen Bausteinen der Ursprungsidee und reagiert zumindest ein Stück weit auf die harsche Kritik an den 2019 vorgestellten Plänen.

Beispielsweise habe man die Sicherheit des Libra-Zahlungssystems „durch einen soliden Rahmen zur Einhaltung von Regulierungsvorgaben und zum Risikomanagement“ verstärkt. Dadurch sollten Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und andere illegale Aktivitäten wirksam bekämpft werden.  

Als Voraussetzung gestrichen ist der politisch besonders umstrittene Korb von Staatsanleihen und herkömmlichen sogenannten Fiat-Währungen, der eigentlich die Basis für Libra bilden sollte. „Während unsere Vision immer darin bestand, dass das Libra-Netzwerk Fiat-Währungen ergänzt und nicht mit ihnen konkurriert, gab es eine zentrale Befürchtung“, heißt es im neuen Whitepaper: dass Libra das Potenzial haben könnte, „die Währungssouveränität und die Geldpolitik zu beeinträchtigen“, wenn es große Verbreitung fände. (...)

Kritik am neuen Plan kommt aus Berlin. „Facebook wird versuchen, Libra zum Kurs eins zu eins an den Euro zu koppeln und die Unsicherheit der Coronakrise zu nutzen“, sagt der Finanzexperte der Linken-Bundestagsfraktion, Fabio De Masi. „Kreditschöpfung wäre so zwar eingeschränkt, aber die Datenmacht von Facebook bleibt ein Systemrisiko für unser Geldsystem.“  

US-Konzerne wie Facebook und Apple oder chinesische Anbieter wie Ali Pay drohten schon bald zu „mächtigen Schattenbanken“ zu werden, mahnt De Masi. „Um das zu verhindern, brauchen wir eine staatlich garantierte E-Währung zur Ergänzung des Bargeldes mit Bürgerkonten bei der EZB.“  

In der Kryptobranche wurde mit Interesse notiert, dass Libras Ankündigung fast zeitgleich mit entsprechenden Nachrichten aus Peking zusammenfiel. Erst am Mittwoch hatte die chinesische Zentralbank ausgewählten heimischen Kreditinstituten grünes Licht gegeben für Experimente mit ihrer geplanten Digitalwährung, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.  (...)"

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