Welt: Arbeiten bis 69 Jahre und vier Monate – das sind die Alternativen

22.10.2019

Welt: Arbeiten bis 69 Jahre und vier Monate – das sind die Alternativen

"Die Bundesbank sieht eine finanzielle Schieflage der Rentenversicherung. Daher spricht sie sich für eine Erhöhung des Eintrittsalters aus. Während sich die einen über den Vorstoß empören, fordern manche Ökonomen noch drastischere Schritte.

Der gesetzlichen Rente droht schon in wenigen Jahren eine erhebliche finanzielle Schieflage. Dies hat eine aktuelle Analyse der Bundesbank ergeben. Als Konsequenz fordert sie eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters, was in Politik und Wirtschaft jedoch nicht nur auf Zustimmung stößt.

Die Bundesbank hatte vorausberechnet, wie sich nach derzeitiger Gesetzeslage Beitragssätze, Bundeszuschuss und Versorgungsniveau entwickeln werden. Demnach werden sich alle drei Stellgrößen ab Mitte des kommenden Jahrzehnts deutlich zum Schlechteren verändern, in den Jahrzehnten danach werde es sogar zu einem regelrechten finanziellen Absturz kommen. Bis 2070 werde der Beitragssatz von heute 18,6 auf 26 Prozent steigen, der Bundeszuschuss werde sich um etwa die Hälfte erhöhen und trotzdem werde das Versorgungsniveau um fast 17 Prozent sinken. (...)

Kritik kommt auch von der Opposition. „Die Forderung der Bundesbank ist weltfremd und nur eine versteckte Rentenkürzung“, sagte Fabio De Masi, stellvertretender Vorsitzender der Linken im Bundestag. Stattdessen brauche es ein Rentensystem, in das alle einzahlen, auch Selbstständige und Politiker. Zudem müssten die Löhne mit der Produktivität wachsen, dann stiegen auch die Beiträge ins Rentensystem. „Die Rentendebatte ist daher zuweilen hysterisch“, kritisierte er.  

Die Grünen dagegen verschließen sich der Debatte nicht komplett. Allerdings dürfte die Diskussion nicht geführt werden, ohne eine Lösung für die Menschen, die auch heute schon nicht bis 67 durchhielten. „Wir brauchen eine Strategie für ein gesünderes längeres Arbeiten und keine Rente mit 69 für alle“, sagte Markus Kurth, rentenpolitischer Sprecher der Partei. Er forderte umfangreiche Weiterbildungen für Ältere, eine Stärkung der Erwerbsminderungsrente und eine attraktivere Teilrente. 

In eine ähnliche Richtung argumentierte Peter Weiß, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales der Unionsfraktion. Auch er plädierte für eine Kombination von Rente und Berufstätigkeit. Das Renteneintrittsalter solle sich zudem nicht an fixen Zahlen orientieren, mehr Flexibilität sei gefragt.

Für Christian Dürr, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP, dagegen rächt sich jetzt das jahreslange Nichtstun in der Rentenpolitik von Union und SPD. „Statt die Symptome mit schlechten Rentenpaketen zu bekämpfen, brauchen wir dringend eine umfassende Reform, die das Umlagesystem in der Rente durch echte Kapitaldeckung stärkt und die Generationengerechtigkeit nicht gefährdet“, sagt er. 

Die AfD schließlich hat kein Rentenkonzept."

zum Seitenanfang

Hinweis zum Einsatz von Cookies / Datenschutzerklärung

Hier finden Sie meine Datenschutzerklärung

close