Handelsblatt: Verrat im Weinkeller – Warum der Ex-Jurist einer Schweizer Privatbank angeklagt ist

Eine Presseschau mit Fabio De Masi

25.03.2019

Handelsblatt: Verrat im Weinkeller – Warum der Ex-Jurist einer Schweizer Privatbank angeklagt ist

 

"Ein ehemaliger Jurist der Privatbank Sarasin deckte einen Skandal im Zusammenhang mit Cum-Ex-Geschäften auf. Jetzt kommt er selbst auf die Anklagebank in Zürich.

Im Weinkeller war für Volker Schäfer* noch alles in Ordnung. Genau sechs Jahre ist es her, da traf sich der Abteilungsleiter der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin mit dem deutschen Anwalt Eckart Seith. Das Restaurant Santa Lucia in Schaffhausen hatten sie mit Bedacht gewählt. Seiths Kanzlei lag nördlich, in Stuttgart, Schäfer reiste aus Zürich an. Er wollte nicht gesehen werden bei diesem Treffen. Nachdem die Tür geschlossen war, sagte Schäfer zu Seith: „Ich kann nicht mit ansehen, wie Ihr Klient von Sarasin ein zweites Mal betrogen wird.“ Das Gespräch veränderte das Leben von Schäfer – und das Schicksal seiner Bank gleich dazu. Bei Sarasin, wo Schäfer seit Juli 2009 tätig war, war der Compliance-Chef einst ein angesehener Mann. Sarasin war eine edle Privatbank, ihre Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1841. Heute steht das Haus im Mittelpunkt eines Skandals, der den deutschen Steuerzahler Hunderte Millionen Euro kostete. (...)

Der Fall hat politische Sprengkraft. Kritiker sagen, die Züricher Justiz stehe vor einer Richtungsentscheidung: Ist in der Schweiz die Enthüllung eines Verbrechens ein Verbrechen? Die deutsche Botschaft schickt einen Prozessbeobachter über die Grenze. Der ehemalige NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans hat sich angekündigt. Der Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi und der ehemalige Politiker Gerhard Schick reisen ebenfalls in die Schweiz, um Schäfer zu unterstützen."

 

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