Fonds Professionell: "Wir fordern einen Finanz-TÜV"

Interview mit Fabio De Masi bei Fonds Professionell über Mifid II, 34f-Vermittler unter Bafin-Aufsicht und die Zukunft der Lebensversicherer

28.09.2018

Fonds Professionell: "Wir fordern einen Finanz-TÜV"

"Mifid II, 34f-Vermittler unter Bafin-Aufsicht und die Zukunft der Lebensversicherer: Ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags klopft FONDS professionell ONLINE die Positionen der Bundestagsparteien ab. Heute bezieht Fabio de Masi von der Partei "Die Linken" Stellung.

Nachdem die Unterzeichnung des Koalitionsvertrags sechs Monate zurückliegt, hat FONDS professionell die Finanzexperten aller im Deutschen Bundestag vertretenden Parteien in Berlin besucht. Sie haben sich Zeit genommen und zu vielen Fragen der Finanzmarktregulierung, Finanzpolitik und der Altersvorsorge Rede und Antwort gestanden. Die Interviews mit Antje Tillmann, CDULothar Binding, SPDGerhard Schick, Bündnis 90/Die Grünen, und Florian Toncar, FDP, sind bereits erschienen. Heute bezieht Fabio de Masi, finanzpolitischer Sprecher der Linken, Stellung.

Herr de Masi, die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II ist seit Jahresbeginn in Kraft. Aus der Branche ist vielfach zu hören, der Gesetzgeber sei an der einen oder anderen Stelle über das Ziel hinausgeschossen. Sehen Sie das auch so?

Fabio de Masi: An einzelnen Punkten ist es in der Tat zu unnötig komplizierten Regelungen gekommen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass man grundlegende Reformen unter Lobbydruck scheut. Teile des heutigen Finanzmarktgeschäfts sind rein auf Spekulation ausgelegt und auch durch umständliche Regeln nicht sicher zu gestalten. Wir fordern daher einen Finanz-TÜV, der Finanzinstrumente vor ihrer Zulassung zum Markt prüft. Die Anbieter müssten dann nachweisen, dass die Instrumente keinen Schaden anrichten, sondern einen volkswirtschaftlichen Nutzen haben.

Durch Mifid II haben sich die Honorar- und Provisionsberatung hinsichtlich der Kostentransparenz weitgehend angeglichen. Ist eine Trennung überhaupt noch notwendig?

De Masi: Eine Trennung ist nach wie vor geboten: Bei den Regelungen zur Offenlegungspflicht von Vertriebsanreizen wie Provisionen werden nicht alle Formen erfasst. Die Regulierung ist aktuell auf Zuwendungen von Dritten – also Provisionen im klassischen Sinne – verengt. Nicht erfasst werden damit zum Beispiel Anreize in Form von hausinternen Vertriebsmargen. De facto besteht damit eine Umgehungsmöglichkeit. Verbraucher haben das Nachsehen, da sie nicht einschätzen können, ob und inwieweit Berater auch Eigeninteressen verfolgen. Ebenso wenig ist dadurch ein Kostenvergleich mit der Honorarberatung gewährleistet. Ohne vollständige Informationen können Märkte aber nicht funktionieren, und Verbraucher bekommen keine realistischen Preissignale.

Sollte die Honorarberatung also noch weiter gestärkt werden?

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