Presseschau über die Verurteilung des Fußballers Deniz Naki

Deutsche Medien berichten über Fabio De Masis Prozessbeobachtung aus der Türkei

06.04.2017
Presseschau

Wegen vermeintlicher Terrorpropaganda wurde Deniz Naki am 6. April 2017 bei einer Gerichtsverhandlung in Diyarbakir (Türkei) zu einer Haftstrafe von 18 Monaten und 22 Tagen verurteilt. Diese wurde für 5 Jahre auf Bewährung ausgesetzt.

Fabio De Masi,  Europaabgeordneter der LINKEN, war gemeinsam mit dem Hamburger Völkerrechtler und Türkei-Kenner, Prof. Norman Paech, als Prozessbeobachter vor Ort. Die dabei entstandene Pressemitteilung "Deniz Naki verurteilt - Frieden ist strafbar" wurde in deutschen Medien vielfach aufgegriffen: 

 

Taz, 6. April 2017, Eric Bonse: Der Putsch findet jetzt statt

„Deniz hat auf das Urteil mit Galgenhumor reagiert“, sagte der Europaabgeordnete der Linken, Fabio de Masi, nach der Gerichtsverhandlung, die nur dreißig Minuten dauerte. De Masi, ein bekennender St.-Pauli-Fan, war als Prozessbeobachter in die heimliche Hauptstadt der Kurdenregion gereist. Die Lage vor Ort sei gespenstisch, sagte er: „Ständig sind Kampfjets in der Luft, an jedem Laternenpfahl hängt Wahlwerbung für Präsident Erdoğan.“

Das Gericht habe kurz vor dem Referendum über Erdoğans Präsidialsystem unter massivem politischen Druck gestanden, glaubt De Masi. „Derselbe Richter, der Deniz im letzten Jahr vom Vorwurf der Terrorpropaganda freigesprochen hat, verurteilt ihn heute.“ Die Unabhängigkeit der Justiz sei nicht mehr gewährleistet. „Der eigentliche Putsch findet jetzt statt“, so der Linken-Politiker.

Deniz habe sich „einfach nur Frieden gewünscht“, kritisierte er im Gespräch mit der taz. „Doch das ist jetzt schon strafbar.“ Wenn Naki in den nächsten fünf Jahren das Wort Frieden in den Mund nimmt, drohe ihm Haft. Das Urteil solle abschreckende Wirkung haben. Doch der Fußballer lässt sich nicht einschüchtern. Kaum dass er den Gerichtssaal verlassen hatte, gab er schon wieder Interviews – den Mund verbieten lässt er sich nicht. „Ich hoffe, dass er den Ball flach hält und keine Haft riskiert“, sagte De Masi. Naki sei ein Vorbild, nicht nur auf dem Rasen. Er hätte dem Prozess ausweichen können, da er auch die deutsche Staatsbürgerschaft hat, doch er stellte sich. „Er hätte auch die Klappe halten und Karriere als Profifußballer machen können“, so der Linken-Politiker. Dass er dies nicht tat, sei „eine großartige Haltung, gerade als Sportler“.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier online.

 

Tagesschau, 6. April 2017, Reinhard Baumgarten, ARD-Studio Istanbul

"Naki war im November vergangenen Jahres vom Vorwurf der Terrorpropaganda freigesprochen worden. Er hatte sich auf Facebook und Twitter mit türkischen Kurden solidarisch erklärt. Die Staatsanwaltschaft hatte Widerspruch gegen den Freispruch eingelegt.

Der Europa-Abgeordnete der Linken, Fabio de Masi, der als Prozessbeobachter vor Ort in Diyarbakir war, nannte das Urteil bedauerlich und ab­surd. Derselbe Richter, der Deniz Naki mit der Begründung, in der Türkei herrsche Meinungsfreiheit, vom Vorwurf der Terrorpropaganda freigesprochen hatte, habe ihn heute verurteilt."

Ein Video und den gesamten Bericht finden Sie hier.

 

Süddeutsche Zeitung, 6. April 2017: Für die Freiheit geht Naki notfalls ins Gefängnis

"Nicht mal 30 Minuten lang wurde am Donnerstagmorgen im Gericht in Diyarbakır im Osten der Türkei verhandelt, dann lautete das Urteil: ein Jahr, sechs Monate und 22 Tage Haft auf Bewährung, ausgesetzt für fünf Jahre. Naki soll in den sozialen Netzwerken für die als Terrororganisation verbotene Arbeiterpartei PKK geworben haben. Dabei war im November ein Verfahren mit derselben Anklage unter Verweis auf die Meinungsfreiheit eingestellt worden. Doch zwei Tage später folgte die Revision, angeblich wegen Kommentaren auf Nakis Facebook-Seite. Derselbe Richter, der ihn damals freisprach, verurteilte ihn nun.

Prozessbeobachter wie der Linken-Politiker Fabio De Masi berichten vom scheinbar Offensichtlichen: einem politisch motivierten Urteil, ähnlich dem Fall des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel. Und eigentlich, das hat Naki zuletzt immer wieder gesagt, hat er ja gewusst, dass es so kommen wird.

Naki ist in Düren im Rheinland geboren, seine Eltern flohen einst aus der Türkei, sein Vater, ein Kurde, wurde vom türkischen Militärregime gefoltert. Sein Vater habe ihm beigebracht, zu seinem Wort zu stehen. Es ist Nakis Sicht der Dinge, dass er seit eineinhalb Jahren nichts anderes macht, als diesen Rat zu befolgen."

Der gesamte Text ist hier zu lesen.

 

SPIEGEL, 6. April 2017: Ex-St.-Pauli-Profi Naki erhält Bewährungsstrafe

""Das Urteil finde ich natürlich scheiße", sagte Naki der "Bild"-Zeitung: "Ich gehe davon aus, dass ich noch im Knast landen werde. Ich werde weiter den Mund aufmachen, wenn ich Menschen Not leiden sehe." Demnach überlege Naki, mit seinem Rechtsbeistand gegen den Richterspruch vorzugehen.

Fabio De Masi, Europaabgeordneter der Linken, der als Prozessbeobachter vor Ort war, sagte: "Das heutige Urteil ist bedauerlich - und absurd. Derselbe Richter, der Herrn Naki vom Vorwurf der Terrorpropaganda im letzten Jahr freigesprochen hat und damals unterstrich, dass in der Türkei Meinungsfreiheit herrsche, verurteilt ihn heute.""

Hier finden Sie den kompletten Text online.

 

Frankfurter Rundschau, 6. April 2017: Naki erhält Bewährungsstrafe in der Türkei

"Die Unabhängigkeit der Gerichte von der Politik in der Türkei, so De Masi, sei nicht mehr gewährleistet. „Es ist klar, dass er stellvertretend für andere gerupft wurde“, sagte der Politiker im Gespräch mit dem SID, der politische Druck sei allenthalben spürbar."

Der gesamte Artikel ist hier online zu erreichen.

 

Deutschlandfunk, 6. April 2017: Fußballer Naki in der Türkei verurteilt

"Kritik von EU-Abgeordnetem de Masi

Der Europa-Abgeordnete der Linken, Fabio de Masi, der als Prozessbeobachter vor Ort in Diyarbakir war, nannte das Urteil bedauerlich und absurd. Derselbe Richter, der Deniz Naki vom Vorwurf der Terrorpropaganda freigesprochen hatte mit der Begründung, in der Türkei herrsche Meinungsfreiheit,  habe ihn heute verurteilt."

Der Bericht befindet sich hier online.

 

Eurosport, 5. April 2017: Deniz Naki droht in der Türkei das Gefängnis

„Den Erfolg im ersten Prozess erklärten Beobachter auch mit dem öffentlichem Interesse und dem Druck, der von verschiedenen Seiten ausgeübt wurde. Auch diesmal erfährt Naki wieder große Solidarität. Sein Ex-Klub St. Pauli hievte das Konterfei des ehemaligen Publikumslieblings auf das Titelblatt des Stadionheftes vom Dienstag.

"Venceremos" - wir werden siegen - stand darunter. "Deniz drückt uns die Daumen und wir ihm", sagte St. Pauli-Präsident Oke Göttlich der "Bild"-Zeitung: "Ich finde es großartig, welche Zivilcourage er beweist."

Als Prozessbeobachter reisen Fabio De Masi, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partie die Linken, und der Völkerrechtler Norman Paech in die Türkei, die unter der Führung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan resolut gegen Regierungskritiker vorgeht.“

Der vollständige Eurosport-Artikel befindet sich hier. Er erschien außerdem auf tz.de.

 

B.Z., 5. April 2017: Unterstützer reisen zum Naki-Prozess

"Deniz Naki (27) steht morgen im osttürkischen Diyarbakir erneut vor Gericht: Im November 2016 wurde er wegen angeblicher Terror-Propaganda freigesprochen. Doch ein Staatsanwalt beantragte Revision. Ihm drohen fünf Jahre Knast. Damit Naki (spielte in Leverkusen und für Pauli) einen fairen Prozess bekommt, stellt der Sohn kurdischer Eltern eine größtmögliche Öffentlichkeit her. Der Europa-Abgeordnete Fabio De Masi (37, Linke) und Völkerrechts-Professor Norman Paech (78) reisen an."

 

BILD, 5. April 2017: Naki drohen fünf Jahre Knast in der Türkei

„Im November 2016 war der Deutsch-Türke (besitzt beide Pässe) vom Vorwurf der "Terror-Propaganda" für die PKK freigesprochen worden. Jetzt hat ein Staatsanwalt Revision beantragt. Naki drohen fünf Jahre Knast!

Damit der in Düren geborene Naki (spielte u.a. in Leverkusen und beim FC St. Pauli) einen fairen Prozess bekommt, geht der Sohn kurdischer Eltern offensiv mit seinem Fall um.
Naki zu BILD: "Meine Anwälte haben um Unterstützer aus Deutschland gebeten."

So reisen der Europa-Abgeordnete Fabio De Masi (37, Die Linke) und Völkerrechts-Professor Norman Paech (78) aus Hamburg zum Prozess an. St. Pauli-Präsident Oke Göttlich (41): "Deniz drückt uns die Daumen und wir ihm. Wir kämpfen gemeinsam. Ich finde es großartig, welche Zivil-Courage er beweist."“

Der Artikel befindet sich hier online (Paywall).

 

ZEIT, 4. April 2017: Der Deniz Yücel des Fußballs

„Auch er hat einen deutschen Pass, könnte sich noch vor dem Prozess an das Konsulat wenden und die Türkei verlassen. Genau das werde Naki aber nicht tun, sagt der Politiker Jan van Aken (Die Linke). Er reiste im November zum ersten Prozess und sprach dabei lange mit Naki. "Deniz sagte mir, er könne die Menschen in Diyarbakır nicht alleine lassen. Das käme ihm wie Verrat vor", sagt van Aken. Zum zweiten Prozess wird er nicht reisen, stattdessen aber Fabio De Masi, Linken-Abgeordneter aus dem Europaparlament.“

Der komplette Artikel befindet sich hier.

 

Taz, 4. April 2017: Freiheit nur auf dem Arm

„Fabio De Masi sagt: „Dass sich Deniz Naki der Sache stellt und eine so klare, gute Haltung zeigt, ist lobenswert.“ „Die Sache“ ist eine ziemlich heikle Angelegenheit für den Fußballer Deniz Naki. An diesem Donnerstag steht der Profi des türkischen Drittligisten Amed SK in Diyar­bakır vor Gericht. De Masi, Abgeordneter für die Partei Die Linke im EU-Parlament, wird zusammen mit seinem Parteifreund und Türkei-Kenner Professor Norman Paech als Prozessbeobachter vor Ort sein.“

Der gesamte Artikel ist hier nachlesbar. Der Artikel erschien außerdem am 5. April 2017 in der Stuttgarter Zeitung. 

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