Fabio De Masi

Liebe Freundinnen und Freunde,

der südafrikanische Comedian Trevor Noah führt in einem kurzen Video unterhaltsam vor warum Finanzmärkte nicht "effizient" sind. Er kommentiert dabei das Auf und Ab, das mit irgendwelchen rationalen Reaktionen auf Informationen begründet wird. Zugleich erklärt er wie Elon Musk mit geliehenem Geld, das er mit Tesla Aktien besichert, Twitter Aktien kauft und welche Risiken das hat. Er karikiert die Widersprüche bei der Besteuerung von Millardären, die sich dabei auftun. Das Video ist in Englisch, aber sehr zu empfehlen 

Derzeit wird in der Öffentlichkeit viel über eine Übergewinnsteuer für Gewinner der Pandemie und des Ukraine Krieges (zB die Rüstungsindustrie, Mineralölkonzerne oder die Nahrungsmittelindustrie) gesprochen. Ein Vorschlag den ich 2021 in die Debatte in Deutschland gebracht habe. Zur damaligen Berichterstattung der FAZ

Gleichzeitig zeigen neue Studien, dass ArbeiterInnen keinesfalls "rechts" sind sondern viele sich gar nicht mehr vertreten fühlen. Dies zeigt wie die Linke mit solider Arbeit gewinnen könnte. Dies verdeutlichen auch die Erfolge meines Freundes Jean-Luc Mélenchon in Frankreich, der echte Chancen hat Pemierminister zu werden und ein Gegengewicht zu Emmanuel Macron zu werden. Auch er wurde zu lange von der Linken nur mit der Pinzette angefasst.

Für politische Glaubwürdigkeit braucht es aber mehr als ein paar Herzchen auf Instagram. Es braucht Leute, die solide Arbeit zu Kernthemen machen, die für die Bewältigung der ökonomischen, sozialen und ökologischen Krise erforderlich sind. Es braucht Leute, die das rüber bringen, am Puls der Zeit sind und ein Interesse für diese Themen haben. Bis hinunter in jede Parteigliederung.

Ich habe mich damals zurückgezogen, weil dieses Interesse in weiten Teilen unserer Partei nicht bestand, diese Arbeit durch so manchen öffentlichen Auftritt zumeist kaputt gemacht wurde und ich bei dieser Arbeit weitegehend allein gelassen wurde während Andere Strippen zogen. Wenn aber wieder irgendeine Wahl ansteht, beruft man sich dann auf die programmatischen Impulse, die Andere gesetzt haben. Das habe ich als Heuchelei empfunden. Da mache ich aus meinem Herzen keine Mördergrube.

Ich bekomme derzeit viele Zuschriften ob ich mich nicht wieder stärker auch in Führungsverantwortung in der Linken einbringen möchte. Weil ich nicht darauf vertraue, dass irgendwelche Flügelkämpfe und Personalentscheidungen an den von mir beschriebenen Problemen etwas fundamental verändern werden, werde ich das (abgesehen von meiner eigenen Lebensplanung, die dem im Wege steht) nicht tun.

In diesem Newsletter findet Ihr eines meiner wichtigsten Interviews im Wirecard- Skandal.
Ausserdem kommentiere ich in der Berliner Zeitung das jüngste Gerichtsurteil im Wirecard-Skandal und seine Folgen. ZackZack berichtet über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Cyan AG, deren Aufsichtsrat und bedeutender Aktionär bis kürzlich noch der ÖVP-Spender und Freund von Ex-Wirecard Boss Markus Braun war. Ebenfalls im Aufsichtsrat Donald Trumps Ex Botschafter in Österreich Trevor Traina. Es gibt Verbindungen zum Wirecard-Skandal. Und wie bei der Adler Gruppe - die jetzt im Mittelpunkt der Debatte um das Holsten Areal steht - habe ich auch vor Cyan frühzeitig gewarnt und eine Anfrage dazu im Bundestag gestellt. 

Euer,

 

Fabio

 

Interview: Wirecard und Marsalek Flucht- ein Geheimdienstskandal

Nach jahrelanger Arbeit und zahlreichen Indizien präsentiere ich eine Hypothese welche Rolle Geheimdienste in dem Finanzskandal gespielt haben. Demnach war Wirecard ein Asset von Geheimdiensten zur Überwachung und Abwicklung von Zahlungsflüssen. Da Jan Marsalek mit vielen Geheimdiensten arbeitete - darunter auch Russland - entspannte sich ein Konflikt. Vermutlich wie in Österreich auch in Deutschland innerhalb der Sicherheitsbehörden. Die Entwicklungen um das Leerverkaufsverbot von Wirecard Aktien mit einer wilden Erpressungsstory und dem Novitschok Leak um Marsalek deuten daraufhin, dass Kreise in den deutschen Sicherheitsbehörden tatsächlich hinter den kritischen Artikeln der Financial Times und den Wetten auf fallende Kurse bei Wirecard einen Angriff fremder Nachrichtendienste sahen. Was wie aus einem wilden Agententhriller oder nach kruden Verschwörungstheorien klingt, lässt sich durch viele Indizien plausibel belegen. Das Interview befindet sich bei Cicero hinter der paywall, auf meiner Homepage befindet sich eine englische Übersetzung

 

Wirecard-Urteil: Müssen die Anleger jetzt ihre Dividende zurückzahlen?

Vollständigen Artikel in Berliner Zeitung lesen

Folgen könnte das Urteil allerdings für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY haben, die die Wirecard-Bilanzen geprüft und testiert hatte. Etwa 1000 Aktionäre haben bereits gegen EY geklagt. Bei der DSW haben sich 30.000 Aktionäre registriert, die noch als Kläger gegen EY infrage kommen. Es geht laut Bergdolt um „viele Hundert Millionen Euro“, die die Kläger von EY fordern könnten. Rein der Papierform nach sind die Chancen gering, dass sich die betrogenen Aktionäre etwas bei EY zurückholen. Denn die Gesetzeslage ist dergestalt, dass die Prüfer nur bei Vorsatz oder grob fahrlässigem Handeln haften. Ein kausaler Zusammenhang dürfte im Wirecard-Fall allerdings schwer zu belegen sein. Laut Fabio De Masi, dem Linke-Politiker und Wirecard-Aufdecker, dürfte dies „sehr schwer nachzuweisen“ sein, weil schwerwiegende Fehlleistungen wie etwa der „vollständige Verzicht auf Prüfung“ vorliegen müssten, so De Masi auf Twitter.

Wirecard/Cyan: Münchner Ermittler nehmen Cyberkonzern ins Visier

Vollständigen Artikel auf ZackZack lesen

Sicher ist: ermittelt wird gegen die drei Beschuldigten auf Grundlage einer Anzeige der deutschen Finanzmarktaufsicht BaFin. Und die untersuchte zuvor die Finanzinstrumente der Cyan AG. Das geht aus einer Antwort der deutschen Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage hervor. Wer die drei Beschuldigten sind, ist derzeit genauso unklar, wie Details zum zweiten Verdachtsfall aus dem Cyan-Umfeld.

Fabio De Masi,
»Finanzdetektiv« und Autor

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